Holzzerstörendes Insekt Artensteckbrief

Gewöhnlicher Nagekäfer
Anobium punctatum — Fam. Ptinidae

Der häufigste einheimische Holzwurm. Sein Auftreten ist zugleich ein Feuchtehinweis.

Gewöhnlicher Nagekäfer (Anobium punctatum) neben seinen Ausschlupflöchern im Holz
Anobium punctatum — der häufigste Holzschädling in Innenräumen · Foto: Wikimedia Commons (CC)
Larve des Gewöhnlichen Nagekäfers, cremefarben und engerlingartig gekrümmt
Die Larve — cremefarben, engerlingartig gekrümmt, bis 6 mm · Foto: Fremdquelle — Nachweis prüfen

Merkmale im Überblick

HolzartenNadel- und Laubholz, bevorzugt Splint- und Weichholz. Kernholz nur nach vorheriger Pilzschädigung. Häufig an Möbeln, Schnitz- und Kunstobjekten sowie im Keller- und Erdgeschossbereich.
HolzfeuchteFeuchteres Milieu als der Hausbock. Optimum um 30 %, unterhalb 10 % keine Entwicklung. Typisch in kühlen, feuchten Räumen wie Kellern und Kirchen.
Vollinsekt2,5–5 mm, gedrungen-walzenförmig, im Querschnitt rund, dunkelbraun. Halsschild kapuzenartig über den Kopf gezogen, Flügeldecken mit deutlichen Längs-Punktreihen.
LarveCremefarben bis weißlich, engerlingartig gekrümmt, fein behaart, bis 6 mm.
Larvenstadium2–4 Jahre, unter ungünstigen Bedingungen bis 10 Jahre. Entwicklungsoptimum 22–23 °C.
FlugzeitSchlupf März bis August, meist Mai und Juni. Ein Weibchen legt 20 bis 30 Eier in Ritzen, Spalten und alte Bohrlöcher.
AusschlupflöcherRund, 1–2 mm, in der Literatur bis 3,3 mm. Durch die Ortstreue des Käfers oft viele Löcher dicht beieinander.
BohrmehlFein, staubt nicht. Kotpillen schlank und zitronenförmig, an beiden Enden spitz ausgezogen — ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
FraßbildRunde Gänge von etwa 3 mm im Splintholz, den Jahrringen folgend. Weiche Frühholzzonen werden bevorzugt, Spätholzlamellen bleiben oft stehen.
WiederbefallJa — ausgeprägte Ortstreue, Neubefall am selben Bauteil über Generationen.

Wie ernst ist Ihr Fund?

GrünNur alte, nachgedunkelte Löcher. Kein frisches Bohrmehl, kein Nachrieseln.
GelbFrisches, helles Bohrmehl oder einzelne frische Löcher. Befall prüfen lassen.
RotAktiver Befall: rieselndes Bohrmehl, lebende Käfer im Mai und Juni, viele frische Löcher.

Aus der Praxis

Anders als der Hausbock befällt der Gewöhnliche Nagekäfer auch Laubholz und Möbel und braucht höhere Holzfeuchte. Sein Auftreten ist deshalb oft zugleich ein Feuchte- und Pilzhinweis. Die Oberfläche wirkt intakt, während das Holzinnere pulverisiert. Frisches, helles Bohrmehl unter dem Bauteil ist der sichere Hinweis auf einen aktiven Befall.

Grenze der Blickdiagnose: Die hier beschriebenen Merkmale begründen einen Verdacht und ordnen ihn ein. Sicherheit über die Art bringt erst die Bestimmung anhand einer Probe. Genau daran hängt, wie weit ein Rückbau reicht — und was er kostet.

Häufig verwechselt mit

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Nagekäfer und Hausbock am Loch?

Am Umriss und an der Größe: Der Gewöhnliche Nagekäfer hinterlässt runde Löcher von 1 bis 2 mm, der Hausbock ovale von 5 bis 10 mm. Auch das Bohrmehl trennt beide: schlanke, an beiden Enden zugespitzte Kotpillen beim Nagekäfer, walzenförmiges tonnenartiges Nagsel beim Hausbock.

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Fachliche Angaben aus der Praxis des Sachverständigenbüros. Stand: August 2026.

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