Holzzerstörendes Insekt Artensteckbrief

Brauner Splintholzkäfer
Lyctus brunneus — Fam. Lyctidae

Frisst Stärke, keine Feuchte nötig. Sein puderfeines Bohrmehl trennt ihn vom Nagekäfer.

Brauner Splintholzkäfer (Lyctus brunneus) auf einer Splintholzoberfläche
Der Käfer misst 2,5 bis 7 mm — schlank, flach, rotbraun · Foto: R. Große
Puderfeines Bohrmehl des Braunen Splintholzkäfers auf zerstörtem Splintholz
Puderfeines Bohrmehl — es rieselt wie Mehl heraus. Das wichtigste Trennmerkmal zum Nagekäfer · Foto: R. Große

Merkmale im Überblick

HolzartenAusschließlich das Splintholz von Laubhölzern — das gilt für alle Arten der Familie. Nadelholz und Kernholz bleiben verschont.
VoraussetzungReichliches Vorkommen an Stärke und Eiweißstoffen. Fällt der Stärkegehalt unter 3 %, erfolgt nach der Literatur kein Befall.
HolzfeuchteEntscheidend für die Larvenentwicklung: Minimum 7–8 %, Optimum 16 % bei 25 °C. Er kommt damit in trockenen Innenräumen zurecht — eine Feuchteursache ist hier nicht zu suchen.
Vollinsekt2,5–7 mm, schlank und flach, rotbraun bis dunkelbraun. Dämmerungsaktiv.
FlugzeitSchlupf vom Frühjahr bis in den Sommer, angegeben wird Mai bis August — je nach klimatischen Bedingungen mit Abweichungen.
EiablageZwei bis drei Tage nach der Kopulation, zumeist nachts. Die Eier werden mit einer sehr feinen Legeröhre (Ø ca. 0,078 mm) in die Gefäße des Laubholzes abgelegt; zum Öffnen nagt das Weibchen quer zur Faser.
PrüfmarkierungenBemerkenswert: Das Weibchen legt an der Holzoberfläche Prüfmarkierungen an, um den Stärkegehalt zu testen, bevor es Eier ablegt.
EntwicklungszyklusEientwicklung bei 20 °C etwa 12–13 Tage (GAY 1953), bei höheren Temperaturen bis zur Hälfte kürzer. Larvenentwicklung meist nach drei Monaten abgeschlossen, Verpuppung 12–30 Tage. Zyklus im Mittel etwa 12 Monate — günstigenfalls zwei Generationen im Jahr, ungünstigenfalls bis zu zwei Jahre.
AusschlupflöcherKreisrund, ca. 0,8–1,8 mm.
FraßbildFraßgänge verlaufen anfangs parallel zur Faser und sind mit Bohrmehl fest verstopft.
BohrmehlSehr fein, fast puderartig — im Amerikanischen heißt die Art deshalb Western Powderpost Beetle. Das ist das sichere Trennmerkmal zum Gewöhnlichen Nagekäfer, dessen Kotpillen schlank und zitronenförmig sind.
Arten in DeutschlandHeimisch sind Lyctus linearis (Parkettkäfer) und L. pubescens. Als eingeschleppt gelten sechs weitere Arten, darunter L. brunneus und L. cavicollis (Grubenhalsiger Splintholzkäfer), der inzwischen als eingebürgert und im Freiland etabliert gilt — ein bestätigtes Freilandvorkommen liegt im Nienburger Bruch.
WiederbefallJa. Durch die Wiederkehr der Tiere schreitet der Abbau fort — bis zur vollständigen Zerstörung des Splintholzes.
Typischer FundortParkett, Möbel, Furnier, Werkzeugstiele, Treppen — häufig mit neuem Laubholz eingeschleppt.

Wie ernst ist Ihr Fund?

GrünNur alte Löcher, kein frisches Bohrmehl, kein Nachrieseln.
GelbFrisches, puderfeines Bohrmehl. Befall und betroffene Bauteile prüfen lassen.
RotRieselndes Bohrmehl, lebende Käfer, mehrere frische Löcher an stärkehaltigem Laubholz.

Aus der Praxis

Der Braune Splintholzkäfer ist der einzige der hier geführten Insekten, bei dem keine Feuchtefrage am Anfang steht. Er lebt von der Stärke im Splintholz der Laubhölzer und kommt schon ab 7 bis 8 % Holzfeuchte zurecht. Die Ursachensuche führt deshalb nicht zur Bauphysik, sondern zur Herkunft des Holzes — häufig wird er mit neuem Eichen- oder Eschenholz eingeschleppt, in Parkett, Furnier oder Möbeln. Unterschätzt wird dabei das Ende der Geschichte: Weil die Tiere immer wieder dasselbe Holz aufsuchen, schreitet der Abbau fort, bis das Splintholz vollständig zerstört ist. Verwechselt wird er regelmäßig mit dem Gewöhnlichen Nagekäfer, weil beide kreisrunde Löcher im Millimeterbereich hinterlassen. Der Blick aufs Bohrmehl trennt beide sicher.

Grenze der Blickdiagnose: Die hier beschriebenen Merkmale begründen einen Verdacht und ordnen ihn ein. Sicherheit über die Art bringt erst die Bestimmung anhand einer Probe. Genau daran hängt, wie weit ein Rückbau reicht — und was er kostet.

Häufig verwechselt mit

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Splintholzkäfer und Gewöhnlichen Nagekäfer?

Am Bohrmehl. Der Braune Splintholzkäfer hinterlässt ein puderfeines, mehlartiges Bohrmehl, das aus den Löchern rieselt. Der Gewöhnliche Nagekäfer hinterlässt schlanke, an beiden Enden zugespitzte Kotpillen, die mit bloßem Auge erkennbar sind. Die Ausschlupflöcher sind bei beiden rund und 1 bis 2 mm groß. Ein zweiter Hinweis ist das Holz: Der Splintholzkäfer befällt nur stärkehaltiges Laubholz-Splintholz, der Nagekäfer auch Nadelholz und braucht höhere Feuchte.

Muss ich bei Splintholzkäfer die Feuchte suchen?

Nein. Er kommt auch in trockenem Holz zurecht, weil er von der Stärke im Splintholz lebt und nicht auf Feuchte angewiesen ist. Die Frage lautet hier stattdessen, woher das Holz stammt — er wird häufig mit neuem Eichen- oder Eschenholz eingeschleppt. Bei einem Nagekäferbefall ist die Feuchtefrage dagegen zentral.

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Fachliche Angaben aus der Praxis des Sachverständigenbüros. Stand: August 2026.

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