Holzzerstörender Pilz Artensteckbrief

Echter Hausschwamm
Serpula lacrymans — Fam. Serpulaceae

Der folgenschwerste Holzzerstörer in Gebäuden. Seine Sonderstellung entsteht aus dickem Oberflächenmycel und Mauerwerksdurchwachsung.

Weißes wattiges Luftmyzel des Echten Hausschwamms mit beginnender Strangbildung
Luftmyzel — weiß bis grau-weiß, wattig, mit beginnender Strangbildung · Foto: Fremdquelle — Nachweis prüfen
Fruchtkörper des Echten Hausschwamms mit weißem Zuwachsrand und rostbrauner Sporenbildungsfläche
Fruchtkörper mit weißem Zuwachsrand, rostbraune Sporenbildungsfläche · Foto: R. Große
Rostbrauner Sporenstaub des Echten Hausschwamms auf Holz und Mauerwerk
Rostbrauner Sporenstaub — oft das erste Zeichen im Keller · Foto: R. Große

Merkmale im Überblick

FäuletypBraunfäule — baut Cellulose ab, Lignin bleibt. Holz wird würfelbrüchig und dunkelbraun.
HolzartenNadel- und Laubholz, bevorzugt Nadelholz (Fichte, Kiefer). Zerstört auch Spanplatten.
HolzfeuchteHolzabbau ab 26,1 % (Kiefernsplint; Fichte 23,9 %), Optimum 45–150 %. Sein Feuchtebedarf liegt damit über dem des Braunen Kellerschwamms.
TemperaturOptimal 18–22 °C. Oberhalb etwa 26 °C endet das Wachstum — das Absterben setzt erst bei höheren Temperaturen ein.
FruchtkörperFlach, polsterförmig, rostbraune Sporenfläche mit weißem Zuwachsrand. Bis über 1 m groß.
MyzelWeiß, wattig (Oberflächenmyzel). Grau-braune Stränge bis Fingerstärke, im trockenen Zustand knackend brechend.
MauerwerkDurchwächst Mauerwerk und erreicht so räumlich getrennte Holzbauteile. Ein Wassertransport aus entfernter Quelle ist widerlegt; Hausfäulepilze befeuchten Holz nur geringfügig selbst und nur bei Wasser in der Nähe (Huckfeldt/IF-Holz).
SporenRostbrauner Sporenstaub, massenhaft. Kontaminiert Räume und Lüftungsanlagen. Basidiosporen bleiben bis zu 20 Jahre keimfähig.
TrockenstarreDas Mycel überlebt Trockenheit nur 1 Jahr — der schwächste Wert der Reihe (Rosa Saftporling 11 J., Weißer Porenschwamm und Tannenblättling 9 J., Kellerschwamm und Hausporling 3 J., Wilder Hausschwamm 2 J.; THEDEN 1972). Entscheidend ist stattdessen die langlebige Spore.
MeldepflichtIn einigen Bundesländern meldepflichtig, etwa in Sachsen und Thüringen. Im Einzelfall aktuell prüfen.

Wie ernst ist Ihr Fund?

GrünKein aktives Myzel, Holz trocken, Ursache behoben.
GelbVerdacht durch Verfärbung oder Geruch. Sofort untersuchen lassen.
RotAktiver Befall — sofortige Sanierung, großräumiger Rückbau.

Aus der Praxis

Seine Gefährlichkeit beruht darauf, dass er als einziger Hausfäulepilz alle fünf Fähigkeiten zum Besiedeln eines Gebäudes beherrscht (Huckfeldt, IF-Holz 2022): anorganische Materialien durchwachsen, Holz unterhalb der Fasersättigung von einer nahen Feuchtequelle aus bewachsen, darauf dichtes Oberflächenmycel bilden, in Trockenstarre überdauern und eine schnell fortschreitende Fäule verursachen. In jeder einzelnen Fähigkeit sind andere Pilze stärker: Ausgebreiteter Hausporling und Tannenblättling bilden dichteres Oberflächenmycel, in der Trockenstarre überdauert der Rosa Saftporling elf Jahre und der Echte Hausschwamm nur eines. Jeder andere Hausfäulepilz zeigt jedoch in der Gesamtschau mindestens einen deutlichen Schwachpunkt. Für den Echten Hausschwamm entstand eigens eine Norm (DIN ENV 12404). Sanierung nach DIN 68800-4: Rückschnitt des Holzes mindestens 1 m längs über den sichtbaren Befall hinaus, befallenes Mauerwerk 1 m, Schüttungen, Füllstoffe und Putz 1,5 m.

Grenze der Blickdiagnose: Die hier beschriebenen Merkmale begründen einen Verdacht und ordnen ihn ein. Sicherheit über die Art bringt erst die Bestimmung anhand einer Probe. Genau daran hängt, wie weit ein Rückbau reicht — und was er kostet.

Häufig verwechselt mit

Häufige Fragen

Wie sieht der Echte Hausschwamm aus?

Weißes, wattiges Oberflächenmyzel, das mit dem Alter gelblich und grau wird; grau-silbrige Stränge bis Fingerstärke, die trocken knackend brechen; ein flacher Fruchtkörper mit rostbrauner Sporenfläche und weißem Zuwachsrand; rostbrauner Sporenstaub auf Holz und Mauerwerk; würfelbrüchig zersetztes, dunkelbraunes Holz. Oft fällt zuerst ein pilzig-champignonartiger Geruch auf.

Ab welcher Holzfeuchte zerstört der Echte Hausschwamm Holz?

Der Holzabbau setzt nach den Laborwerten von Huckfeldt/Schmidt (2015) ab 26,1 % Holzfeuchte an Kiefernsplintholz ein, an Fichte ab 23,9 %. Das Optimum liegt zwischen 45 und 150 %. Der Braune Kellerschwamm kommt mit weniger aus und baut Holz bereits ab 21,5 % ab.

Welche Sicherheitsabstände verlangt die DIN 68800-4?

Befallenes Holz wird mindestens 1 m in Längsrichtung über den sichtbaren Befall hinaus zurückgeschnitten, befallenes Mauerwerk 1 m. Schüttungen, Füllstoffe und Putz werden mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 m entfernt.

Weiterlesen

Holzfeuchte-Kennwerte nach HUCKFELDT/SCHMIDT (2015), zitiert in: Institut für Holzqualität und Holzschäden (Dr. Rehbein und Dr. Huckfeldt GbR, Hamburg), Merkblatt „Holzfeuchte und Hausfäulepilze“, Autor Dr. T. Huckfeldt, 2025 — ifholz.de. Werte für Kiefernsplintholz. Stand: August 2026.

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