DIN 68800: Einbaufeuchte und Gebrauchsklassen
Die DIN 68800-2 regelt den vorbeugenden baulichen Holzschutz. Sie legt fest, dass Holz beim Einbau eine Holzfeuchte von nicht mehr als 20 % aufweisen darf. Diese Zahl ist nicht willkürlich: Erst ab einer Holzfeuchte von ca. 20 % können holzabbauende Pilze aktiv werden. Unterhalb dieser Grenze bleibt Holz dauerhaft schädlingsresistent.
Die Norm unterscheidet Gebrauchsklassen (GK) 0 bis 3.1:
- GK 0: Einbau in trockenem Innenbereich, keine Feuchtegefährdung
- GK 1: Feuchtebeanspruchung möglich, aber kurzzeitig und nicht außen
- GK 2: Häufige Feuchteeinwirkung möglich
- GK 3.1: Starke und regelmäßige Feuchtebeanspruchung
Als Grundlagen gelten neben DIN 68800-2 auch die DIN 18334 (VOB/C Zimmerarbeiten), DIN 4074-1 (Sortierung Nadelholz) und DIN 4074-5 (Sortierung Laubholz). Diese Normen bilden das Fundament des baulichen Holzschutzes — sie nützen aber nur, wenn ihre Vorgaben auch in der Baupraxis eingehalten werden.
Lagerung und Zeitplanung: die schwache Stelle
Holz geht vom Einschnitt bis zum Einbau durch viele Hände: Sägewerk, Trocknung, Lager, Zimmerei, Baustelle. Auf jeder dieser Stationen kann Feuchtigkeit eindringen — wenn man nicht gezielt dagegensteuert.
Die entscheidenden Regeln für den organisatorischen Holzschutz:
- Regendichte Folie + ausreichende Belüftung: Lagerung unter regendichter Abdeckung, aber so, dass Feuchtigkeit aus dem Holz auch entweichen kann. Folie direkt auf dem Holzstapel ohne Luftspalt führt zu Verstöckung (Schimmelbildung).
- Lieferzeitfenster kurz halten: Der Zeitraum zwischen Anlieferung auf der Baustelle und Einbau sollte so kurz wie möglich sein. Holz auf der Baustelle unkontrolliert gelagert ist Holz in der Gefahrenzone.
- Abdeckung am Bau: Während der Bauphase müssen eingebaute Holzbauteile vor Regen geschützt sein. Offene Dachstühle, fehlende Giebel, noch nicht dichte Dachflachen — all das sind Angriffspunkte.
- Feuchtemessung als Kontrollinstrument: Holzfeuchtemessungen vor dem Einbau und im Verlauf der Bauphase sind kein optionaler Luxus, sondern Teil einer seriösen Bauausführung.
Fallbeispiel: Eichenfachwerkhaus mit Holzrahmenkonstruktion (2018)
Das Objekt ist ein historisches Eichenfachwerkhaus mit einer Holzrahmenkonstruktion in der zweiten Ebene, errichtet 2018. Der Wandaufbau von innen nach außen:
- Gipsfaserplatte (innen)
- OSB-Platte
- 40 mm Installationsebene
- OSB als Luftdichtungsebene
- Dämmebene mit Holzständer
- Diffusionsoffene Unterdeckplatte (außen)
Das Gebäude stand nach der Rohbauphase fast ein halbes Jahr ohne Giebel offen der Bewitterung ausgesetzt. Regen, Wind und Kondensat konnten unkontrolliert einwirken.
Das Schadbild im Detail
Die Holzfeuchtemessungen, die ich vor Ort durchgeführt habe, zeigten ein eindeutiges Bild:
- Untergurt der Deckenkonstruktion: ca. 20 % Holzfeuchte — gerade noch im Grenzbereich
- Giebelwandbereich: teilweise deutlich über dem Fasersättigungspunkt (≥35 %) — das Holz hatte so viel Wasser aufgenommen, wie es physikalisch aufnehmen kann
Die sichtbaren Schäden im Einzelnen:
- Schimmelbildung an Deckenbalken und Rauhspund: Bereits im frühen Stadium sichtbarer Befall — oberflächlicher, aber weitflächiger Schimmel auf der Holzfläche.
- Schimmelbildung an OSB-Platten: OSB ist gegenüber Schimmel besonders anfällig, da der Klebstoffanteil die Trocknung bremst und die Oberfläche Feuchte hält.
- Durchnässte Dämmung mit sichtbarer Schimmelbildung: Die eingebaute Dämmung hatte Wasser aufgenommen und war an mehreren Stellen schimmelig durchsetzt.
- Verformungen der OSB-Plattenebene: Durch das Quellen der feuchten Platten waren die Stoßfugen aufgegangen und die Flächen wellig verformt.
Die Instandsetzung
Die Instandsetzungsmaßnahmen richteten sich nach dem jeweiligen Schadbild:
Abwaschen und Desinfizieren nach DHBV-Merkblatt 02/15/S. Voraussetzung: Die Holzfeuchte muss anschließend auf unter 20 % abgesenkt und dauerhaft gehalten werden.
Bei Rauhspund, der gleichzeitig erheblich über 20 % Holzfeuchte aufwies und stark mit Schimmel befallen war, war die vollständige Entnahme und Ersatz wirtschaftlich sinnvoller als eine Sanierung vor Ort.
Bei OSB-Platten mit Schimmelbefall und Verformung erwies sich der vollständige Austausch als wirtschaftlicher als Reinigung und Impraägnierung — da die verformten Platten ihre Luftdichtigkeitsfunktion nicht mehr erfüllten.
Das Giebelwandelement musste geöffnet werden. Die eingebaute Dämmung wurde vollständig entfernt. Das Holztragwerk trocknete über mehrere Wochen bis auf unter 20 % HF ab. Erst dann wurde neu gedämmt und das Element wieder geschlossen.
Fazit: Was hätte verhindert werden können?
Das Fazit dieses Projekts ist eindeutig. Am begutachteten Objekt gab es — zum Zeitpunkt meiner Begehung — noch keinen konstruktiven Schaden durch holzzersörende Pilze. Das Tragwerk war nicht gefährdet. Aber: Die Instandsetzung hat Zeit, Nerven und Geld gekostet — für Fehler, die durch einfache Maßnahmen hätten vermieden werden können.
- Giebelverschluss vor der Winterpause — oder zumindest eine wetterdichte Notabdichtung
- Regelmäßige Holzfeuchtemessungen während der Bauphase
- Korrekte Lagerung des Holzes mit Belüftung unter Folie
- Zeitplanung: Holz erst bestellen, wenn der Einbau zeitnah möglich ist
